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Die neue Finanzordnung: Einkommensgebundene Kredite – Lebensstandard-Versicherung – Weitere Instrumente für eine bessere Risikoverteilung

Schlagworte wie Sozialabbau, Generationenkonflikt und Gesundheitsreform werden derzeit heftig in Deutschland, aber nicht nur hier, in der Öffentlichkeit diskutiert. Dabei wird man als aufmerksamer Zuhörer das Gefühl nicht los, dass weder die politischen Parteien noch die Sozialverbände Lösungen für diese brennenden Probleme unserer Gesellschaft haben. Die Frage, ob es überhaupt sozialverträgliche Lösungen gibt, bleibt dabei meistens offen. Dieser Frage nimmt sich der Ökonomieprofessor

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5 Kommentare zu „Empfehlung: Die neue Finanzordnung: Einkommensgebundene Kredite – Lebensstandard-Versicherung – Weitere Instrumente für eine bessere Risikoverteilung“

  • Anonymous sagt:

    Meinung von Die neue Finanzordnung: Einkommensgebundene Kredite – Lebensstandard-Versicherung – Weitere Instrumente für eine bessere Risikoverteilung
    Einstufung:
    Während die Politiker europaweit neue Lösungen für das Sozialwesen suchen, aber bislang keine griffigen Instrumente gefunden haben, bietet der Autor R.J.Shiller (Yale-University) unkonventionelle aber realiserbare Ansätze für eine neue weltweite Finanzordnung. Das Hauptproblem der jetzigen Ordnung sieht Shiller in einer falschen Risikoverteilung. Grössere Risiken bedeuten für die Akteure ein zurückhaltendes Verhalten. Sobald den Wirtschaftssubjekte diese Risiken durch ein neues Risk-Management abgenommen werden, wirkt sich das positiv auf Nachfrage und Investitionen aus und wird dadurch zum Konjunkturmotor. Shilles “Neue Finanzordnung” ruht auf einem breitgestützten, demokratischen, volkswirtschaftlichen Risiko-Management. Drei der von ihm im Buch detailliert erläuterten Vorschläge richten sich an den privaten Sektor, die andern drei an den Staat.
    Shillers Buch ist zur rechten Zeit erschienen. Das auf für Nicht-Ökonomen verständliche Buch kann insbesondere Politikern und Finanzinstitutionen empfohlen werden Dieses Buch könnte Initiator einer gerechteren globalen Finanzordnung werden.

  • Anonymous sagt:

    Meinung von Die neue Finanzordnung: Einkommensgebundene Kredite – Lebensstandard-Versicherung – Weitere Instrumente für eine bessere Risikoverteilung
    Einstufung:
    Das Buch ist für all diejenigen von Bedeutung, die sich für Möglichkeiten des Risikomanagements derzeit unversicherbarer globaler ökonomischer Risiken interessieren. Robert J. Shiller entwirft in seinem Buch eine mögliche zukünftige Finanzordnung, die er vor allem in Bezug auf Funktionen des Risikomanagements schwerwiegender wirtschaftlicher Risiken konzipiert. Er fordert dabei eine „Demokratisierung” des Finanzwesens ein, womit gemeint ist, dass die Belastungen einzelner Menschen und Menschengruppen durch unvorhersehbare negative wirtschaftliche Entwicklungen, egal aus welchen Gründen, auf möglichst viele Menschen verteilt werden sollten. Dazu skizziert Shiller grob einige Finanzinstrumente, von denen er denkt, daß sie in Zukunft allen Menschen verständlich und zugänglich sein könnten.
    Die Notwendigkeit eines umfassenden Risikomanagementsystems begründet Shiller im ersten Teil seines Buches mit der unvorhersehbaren Natur ökonomischer und ökologischer Entwicklungen und deren enormen Schadenspotentialen. Diese Notwendigkeit untermauert er, indem er gedankenexperimentell an einigen historischen Beispielen aufzuzeigen versucht, welche negativen Folgen durch ein umfassendes globales Risikomanagementsystem in der Vergangenheit hätten verhindert werden können. Um vergleichbare Folgen in der Zukunft durch Versicherungssysteme zu vermeiden, müßten neue Risikomanagementinstrumente entwickelt und soweit möglich in das globale Finanzwesen implementiert werden.
    Shiller’s Hoffnung auf eine erfolgreiche Einführung einer neuen Finanzordnung basiert auf Fortschritten in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen wie der Finanztheorie, der Informationstechnologie und der Psychologie. Die jeweiligen Beiträge der einzelnen Disziplinen zu seinem Konzept erläutert er in dem zweiten Teil seines Buches. Der Psychologie kommt vornehmlich das Verdienst zu, die verzerrte Risikowahrnehmung des Menschen wissenschaftlich expliziert zu haben, wodurch korrigierende Einflüsse, im Sinne einer realistischeren Einschätzung des persönlichen Risikos, möglich würden. Denn erst die Anerkennung real existierender Risiken schafft die Akzeptanz für eine grundlegende Erneuerung des Finanzwesens.
    In Bezug auf die Informationstechnologie weist Shiller vor allem auf die gegenwärtigen Möglichkeiten der digitalen Datenverarbeitung hin, große Datenmengen erfassen, verarbeiten, speichern und zur Verfügung stellen zu können. Diese neuen dem technischen Fortschritt geschuldeten Möglichkeiten der Datenverarbeitung stellen einen zentralen Bestandteil in Shillers Argumentation dar.
    Im dritten Teil des Buches konkretisiert Shiller seine Vision einer neuen Finanzordnung. Hier stellt er skizzenhaft die folgenden sechs Instrumente eines umfassenden globalen Risikomanagements vor:
    Lebensstandard- und Eigenheimkapital-Versicherungen: Dieses Instrument soll Menschen gestatten sich gegen mögliche Verschlechterungen der eigenen Berufsperspektiven und den möglichen Wertverlust des Eigenheims zu versichern.
    Makromärkte: Makromärkte würden den Handel mit Wertpapieren ermöglichen, die die Entwicklung des Bruttosozialprodukts eines Landes bewerten.
    Einkommengebundene Kredite: Diese Form der Darlehensvergabe würde die Zinshöhe an die Entwicklung der Einkommen der Darlehensnehmer koppeln, um der Gefahr des finanziellen Ruins durch Überschuldung Herr zu werden.
    Steuer gegen Einkommensungleichheit: Diese Steuer soll eine weitere Öffnung der Schere zwischen arm und reich verhindern. Shiller argumentiert, das diese Steuer akzeptiert würde, wenn sie nicht die gegenwärtigen Unterschiede einebnen würde, sondern sich lediglich auf zukünftige Entwicklungen bezöge.
    Generationengerechte Rentenversicherung: Shiller fordert, die Rentenbezüge an die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes zu koppeln, um so die Risiken akuter wirtschaftlicher Krisen auf alle Bevölkerungsschichten zu verteilen.
    Internationale Risikokontrolle: Durch dieses Instrument sollen wirtschaftliche Entwicklungen verschiedener Länder gegeneinander abgesichert werden. Diese sechs Instrumente des Risikomanagements, die sowohl im Buch als auch in Shillers Zukunftsvision eines humaneren Kapitalismus eine zentrale Position einnehmen, bedürfen einer neuartigen Infrastruktur der Datenerfassung und -verarbeitung. Auf diese Notwendigkeit reagiert Shiller im vierten Kapitel seines Buches mit der Forderung nach Einrichtung von Globalen-Risiko-Informations-Datenbanken, die er als GRIDs bezeichnet. Diese GRIDs würden laufend detailierte, relevante Informationen zu verschiedensten Risiken sammeln und Suchfunktionen für Versicherungen und Versicherte bereitstellen. Darüber hinaus könnte mit Hilfe der Datenbanken auch eine indexierte Rechnungseinheit kreiert werden, die unanfällig für Inflationsgefahren wäre. Hier verweist Shiller auf die in Chile geltende indexierte Rechnungseinheit des „Undad de Fomento”, die neben dem Peso als eine gültige aber in ihrer Kaufkraft stabile Währung fungiert. Daß die GRIDs ein Risiko für den Datenschutzes sind, sieht Shiller zwar, doch zeigt sich hier sein eher pragmatisch-optimistischer Ansatz, da er an einer dem Datenschutz gerecht werdenden Gestaltung der GRIDs wenig Zweifel hat.
    Im fünften und letzten Teil seines Buches versucht Shiller seine Vision einer zukünftigen Finanzordnung in einen breiteren historischen Rahmen einzuordnen. Er weist dabei wiederholt darauf hin, daß die meisten historischen Neuerungen, sowohl im Finanz- als auch im Sozialwesen, bei der Einführung zunächst immer auf Bedenken gestoßen seien, bevor sie dann nach kurzer Zeit als selbstverständliche Bestandteile der Wirtschaftsstruktur bzw. der sozialen Sicherungssysteme akzeptiert wurden. Es sei daher auf dem Weg zur Umsetzung seiner Ideen noch erheblicher Bedarf an Überzeugungsarbeit zu leisten, die nur durch Forschung auf der wissenschaftlichen Seite und Engagement auf der gesellschaftspolitischen Seite zu leisten sei.

  • Sonja Bock, Heide Braasch, Min-ku Chung, Dana Jahn, Andreas Sulz (im Rahmen eines Seminars bei Carlo C. Jaeger) sagt:

    Meinung von Sonja Bock, Heide Braasch, Min-ku Chung, Dana Jahn, Andreas Sulz (im Rahmen eines Seminars bei Carlo C. Jaeger) Die neue Finanzordnung: Einkommensgebundene Kredite – Lebensstandard-Versicherung – Weitere Instrumente für eine bessere Risikoverteilung
    Einstufung:
    Für Ökonomen ist dieses Buch ein Muss, für alle anderen sehr empfehlenswert!Im Rahmen der aktuellen Diskussion um den öffentlichen Sozialabbau greift Robert J. Shiller (Ökonomie-Professor der Universität Yale) in seinem Buch „Die Neue Finanzordnung” eine Position auf, die eine Ausweitung der sozialen Sicherung befürwortet. Entgegen „neoliberalen” Argumentationen für die Deregulierung und Freie Märkte geht der Autor über eine eingeschränkte Betrachtung der Arbeitsmarktsituation hinaus.Der Vorteil seiner vorgeschlagenen Institutionen liegt in der Verringerung der Unsicherheit künftiger Lebenssituationen, ermöglicht die Ausschöpfung individueller Leistungspotentiale, bzw. neuer Innovationen. Zudem können Entwicklungshilfen durch einen Ausgleich von Länderrisiken ergänzt, und die wachsende Schere der Einkommensunterschiede begrenzt werden.Dabei nennt Shiller Risiken und gibt sechs konkrete Vorschläge zu ihrer Absicherung an: Versicherung des Lebensunterhaltes und den Wertverfall von Häusern, Makro-Märkte, auf denen große Risiken gehandelt werden, Einkommensgebundene Kredite, Steuer gegen Einkommensungleichheit, um die Spanne zwischen Arm und Reich nicht weiter zu vertiefen, Generationengerechte Rentenversicherung, um die Belastung der Jungen nicht noch weiter zu erhöhen und die Internationale Risikokontrolle.Am Beispiel eines angehenden Biochemikers demonstriert Shiller, wie die Lebensstandard-Versicherung jungen Leuten den Eintritt in gewagte Karrieren erleichtern kann. Der junge Wissenschaftler strebt eine hochspezialisierte Karriere in der Erforschung von Viren an, wobei niemand die Entwicklung des Einkommens in dieser Berufsbranche vorhersehen kann. Eventuell scheut er das Risiko und vermeidet die Spezialisierung. Der Kauf einer Lebensstandardversicherung garantiert ihm bei einer ungünstigen Einkommensentwicklung monatliche Zahlungen von Seiten der Versicherung, während der Versicherte als Gegenleistung einen Prozentsatz seines künftigen Einkommens oder einen regelmäßigen Festbetrag vereinbart. So kann er seine Karriere viel entspannter und mit geringerem Risiko angehen.Große Hoffnung setzt Shiller in die Schaffung von Makromärkten. Das Modell der Markomärkte basiert auf der Einsicht, dass die größtmögliche Verteilung der Unsicherheiten das kleinstmögliche Risiko für die einzelnen Parteien bedeutet. Es handelt sich dabei um eine Form des Risikomanagements, dass den Handel mit großen Risiken wie beispielsweise dem Bruttoinlandsprodukt eines ganzen Landes gestattet. Auch können zukünftige Entwicklungen der Länder über ein weltumfassendes Portfolio soweit abgesichert werden, dass ein Boom oder Abstieg von allen ausgeglichen wird.Als ein weiteres Finanzinstrument entwickelt Shiller die Steuer gegen Einkommensungleichheit. Dabei wird die Lohn- und Kapitalentwicklung mittels eines Verteilungsindikators zu einer automatischen Progressionsangleichung in das Erhebungsverfahren eingerechnet, um die Kluft zwischen Arm und Reich nicht weiter zu vertiefen.Für die Umsetzung seiner Vorschläge fordert er riesige Datenbanken, die sogenannten GRIDs, globale Risiko-Informations-Datenbanken. Diese würden die Datengrundlage der neuen demokratischen Finanzordnung bilden und Angaben über Einkünfte und Preise in einer noch nie da gewesenen Form und Fülle für alle Teile der Erde enthalten. Je detailliertere Informationen über eine Person verfügbar sind, desto effektiver kann ein Risiko abgesichert und ausgeglichen werden. Shiller betont dabei Daten, die auf Einverständniserklärungen basieren.Weiterhin hält Shiller eine elektronische Maß- und Währungseinheit für sinnvoll, um Inflationsrisiken besser handhaben zu können. Die Möglichkeit einer indexierten Rechnungseinheit würde in jedem Fall für eine größere Vertrags- und Vermögenssicherheit gegenüber der Geldwertstabilität sorgen.Um eine einheitliche Lenkungsfunktion Shillers demokratischer Finanzordnung zu erhalten, bedarf es der staatlichen Unterstützung. Diese muss die Grundlagen für die Neuerungen schaffen und sorgt für einen rechtlichen Rahmen. Der Staat übernimmt zudem die wesentliche Aufklärungskomponente zur Änderungsbereitschaft in den Köpfen der Menschen. Eine Verringerung finanzpolitischer Risiken kann nur von dem Umsetzungswillen der Bürger getragen werden.In der Bewertung Shillers Ansätze ergeben sich jedoch auch einige unstimmige Aspekte, die es kritisch zu hinterfragen gilt.
    Im Hinblick auf die von Shiller geforderte Informiertheit über die Person stellt sich die Frage nach den moralischen Grenzen und den allgemein gültigen Datenschutzbestimmungen, welche die Privatsphäre eines Menschen garantieren. Könnte der „gläserne Mensch” die Folge einer Entwicklung hin zu solch allumfassenden Datenbanken sein?
    Und weiter, führt die Steuer gegen Einkommensungleichheit, in Bezug auf das angeführte Beispiel des Biochemikers, nicht zum Verlust eines Anreizes zur Spezialisierung, da der Risikoeinsatz zu keinem Vorteil führt? Wozu sollte der junge Mann ein höheres Einkommen anstreben, wenn ein großer Teil dieses Einkommens von der Steuer geschluckt wird?
    Auch die Risikoabsicherung bei der Länderentwicklung scheint nur ein theoretischer Gedanke zu sein. Denn nach aktuellem Stand sind die industrialisierten Länder nicht bereit, mit Entwicklungsländern einen Ausgleich zu vereinbaren, was zum Umkehrschluss führt: Welches Entwicklungsland kann sich eine gleich hohe Entwicklungsprämie wie ein Industrieland leisten?Die „Neue Finanzordnung” ist ein beachtliches Buch, das auch gut für Nicht-Ökonomen lesbar ist. Shiller zeichnet fast prophetenhaft Modelle vor, deren Umsetzung in der Realität jedoch nur die ferne Zukunft antreten kann. Für die Realisierung der Finanzmaßnahmen bedarf es ausführlicher, empirischer Untersuchungen, um die Funktionsfähigkeit der Innovationen zu verdeutlichen, denn „das Denken der Menschen ändert sich nicht von heute auf morgen”. Aber man sollte nicht vergessen, dass Shiller schon in seinem früheren Werk „Irrationaler Überschwang” als einziger das Platzen der Aktienblase vorhersah. Vielleicht entpuppt er sich auch diesmal als Visionär.

  • Anonymous sagt:

    Meinung von Die neue Finanzordnung: Einkommensgebundene Kredite – Lebensstandard-Versicherung – Weitere Instrumente für eine bessere Risikoverteilung
    Einstufung:
    Das Buch ist für all diejenigen von Bedeutung, die sich für Möglichkeiten des Risikomanagements globaler ökonomischer Risiken interessieren. Robert J. Shiller entwirft in seinem Buch eine mögliche zukünftige Finanzordnung, die er vor allem in Bezug auf Funktionen des Risikomanagements schwerwiegender wirtschaftlicher Risiken konzipiert. Er fordert dabei eine „Demokratisierung” des Finanzwesens ein, womit gemeint ist, dass die Belastungen einzelner Menschen und Menschengruppen durch unvorhersehbare negative wirtschaftliche Entwicklungen, egal aus welchen Gründen, auf möglichst viele Menschen verteilt werden sollten. Dazu skizziert Shiller grob einige Finanzinstrumente, von denen er denkt, daß sie in Zukunft allen Menschen verständlich und zugänglich sein könnten.
    Die Notwendigkeit eines umfassenden Risikomanagementsystems begründet Shiller im ersten Teil seines Buches mit der unvorhersehbaren Natur ökonomischer und ökologischer Entwicklungen und deren enormen Schadenspotentialen. Diese Notwendigkeit untermauert er, indem er gedankenexperimentell an einigen historischen Beispielen aufzuzeigen versucht, welche negativen Folgen durch ein umfassendes globales Risikomanagementsystem in der Vergangenheit hätten verhindert werden können. Um vergleichbare Folgen in der Zukunft durch Versicherungssysteme zu vermeiden, müßten neue Risikomanagementinstrumente entwickelt und soweit möglich in das globale Finanzwesen implementiert werden.
    Shiller’s Hoffnung auf eine erfolgreiche Einführung einer neuen Finanzordnung basiert auf Fortschritten in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen wie der Finanztheorie, der Informationstechnologie und der Psychologie. Die jeweiligen Beiträge der einzelnen Disziplinen zu seinem Konzept erläutert er in dem zweiten Teil seines Buches. Der Psychologie kommt vornehmlich das Verdienst zu, die verzerrte Risikowahrnehmung des Menschen wissenschaftlich expliziert zu haben, wodurch korrigierende Einflüsse, im Sinne einer realistischeren Einschätzung des persönlichen Risikos, möglich würden. Denn erst die Anerkennung real existierender Risiken schafft die Akzeptanz für eine grundlegende Erneuerung des Finanzwesens.
    In Bezug auf die Informationstechnologie weist Shiller vor allem auf die gegenwärtigen Möglichkeiten der digitalen Datenverarbeitung hin, große Datenmengen erfassen, verarbeiten, speichern und zur Verfügung stellen zu können. Diese neuen dem technischen Fortschritt geschuldeten Möglichkeiten der Datenverarbeitung stellen einen zentralen Bestandteil in Shillers Argumentation dar.
    Im dritten Teil des Buches konkretisiert Shiller seine Vision einer neuen Finanzordnung. Hier stellt er skizzenhaft die folgenden sechs Instrumente eines umfassenden globalen Risikomanagements vor:
    Lebensstandard- und Eigenheimkapital-Versicherungen: Dieses Instrument soll Menschen gestatten sich gegen mögliche Verschlechterungen der eigenen Berufsperspektiven und den möglichen Wertverlust des Eigenheims zu versichern.
    Makromärkte: Makromärkte würden den Handel mit Wertpapieren ermöglichen, die die Entwicklung des Bruttosozialprodukts eines Landes bewerten.
    Einkommengebundene Kredite: Diese Form der Darlehensvergabe würde die Zinshöhe an die Entwicklung der Einkommen der Darlehensnehmer koppeln, um der Gefahr des finanziellen Ruins durch Überschuldung Herr zu werden.
    Steuer gegen Einkommensungleichheit: Diese Steuer soll eine weitere Öffnung der Schere zwischen arm und reich verhindern. Shiller argumentiert, das diese Steuer akzeptiert würde, wenn sie nicht die gegenwärtigen Unterschiede einebnen würde, sondern sich lediglich auf zukünftige Entwicklungen bezöge.
    Generationengerechte Rentenversicherung: Shiller fordert, die Rentenbezüge an die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes zu koppeln, um so die Risiken akuter wirtschaftlicher Krisen auf alle Bevölkerungsschichten zu verteilen.
    Internationale Risikokontrolle: Durch dieses Instrument sollen wirtschaftliche Entwicklungen verschiedener Länder gegeneinander abgesichert werden. Diese sechs Instrumente des Risikomanagements, die sowohl im Buch als auch in Shillers Zukunftsvision eines humaneren Kapitalismus eine zentrale Position einnehmen, bedürfen einer neuartigen Infrastruktur der Datenerfassung und -verarbeitung. Auf diese Notwendigkeit reagiert Shiller im vierten Kapitel seines Buches mit der Forderung nach Einrichtung von Globalen-Risiko-Informations-Datenbanken, die er als GRIDs bezeichnet. Diese GRIDs würden laufend detailierte, relevante Informationen zu verschiedensten Risiken sammeln und Suchfunktionen für Versicherungen und Versicherte bereitstellen. Darüber hinaus könnte mit Hilfe der Datenbanken auch eine indexierte Rechnungseinheit kreiert werden, die unanfällig für Inflationsgefahren wäre. Hier verweist Shiller auf die in Chile geltende indexierte Rechnungseinheit des „Undad de Fomento”, die neben dem Peso als eine gültige aber in ihrer Kaufkraft stabile Währung fungiert. Daß die GRIDs ein Risiko für den Datenschutzes sind, sieht Shiller zwar, doch zeigt sich hier sein eher pragmatisch-optimistischer Ansatz, da er an einer dem Datenschutz gerecht werdenden Gestaltung der GRIDs wenig Zweifel hat.
    Im fünften und letzten Teil seines Buches versucht Shiller seine Vision einer zukünftigen Finanzordnung in einen breiteren historischen Rahmen einzuordnen. Er weist dabei wiederholt darauf hin, daß die meisten historischen Neuerungen, sowohl im Finanz- als auch im Sozialwesen, bei der Einführung zunächst immer auf Bedenken gestoßen seien, bevor sie dann nach kurzer Zeit als selbstverständliche Bestandteile der Wirtschaftsstruktur bzw. der sozialen Sicherungssysteme akzeptiert wurden. Es sei daher auf dem Weg zur Umsetzung seiner Ideen noch erheblicher Bedarf an Überzeugungsarbeit zu leisten, die nur durch Forschung auf der wissenschaftlichen Seite und Engagement auf der gesellschaftspolitischen Seite zu leisten sei. Shillers Buch basiert auf der Annahme, daß Verteilungsgerechtigkeit und Kapitalismus keine Widersprüche sein müssen – eine Annahme die offensichtlich nicht jeder teilt. Sein Konzept ist im Kern der Versuch soziale Sicherungssysteme durch marktwirtschaftliche Versicherungsmechanismen zu ersetzen. Shillers Denken zeichnet sich zum Einen durch ein klares Bekenntnis zur Marktwirtschaft aus. Zum Anderen treibt ihn aber auch das moralische Anliegen, mehr Verteilungsgerechtigkeit in der Welt verwirklichen zu wollen. Seine neue Finanzordnung ist der Versuch einer Zusammenführung dieser beiden Gedankenzüge. Kritik und Anmerkung:1. In Shiller`s Buch stehen zwei Gedanken nebeneinander, die psychologisch durchaus eine spannungsvolle Beziehung zueinander haben – die Anerkennung der Risikohaftigkeit des Lebens und das Streben nach ökonomischen Erfolg. Jeder sollte nach Shiller erkennen, daß der eigene Erfolg von vielen nicht beeinflußbaren Variablen abhängig ist. Gleichzeitig konstatiert er aber: „Wer ökonomischen Erfolg hat, schreibt diesen Erfolg eigenen Fähigkeiten zu und ist kaum bereit, sich einen Teil der materiellen Gewinne wieder vom Staat nehmen zu lassen” (S.219-220). Wie aber soll nun eine ökonomisch erfolgreiche Person bzw. Volkswirtschaft, die ihre Erfolge als Ausdruck ihrer Fähigkeiten begreift, gleichzeitig diese Erfolge als von Zufallsfaktoren abhängig anerkennen.
    2. Shiller unternimmt den Versuch eine allgemeine Gleichgewichtstheorie zu entwerfen, die ohne Geldillusion (indexierte Rechnungslegung) und geringen Transaktionskosten (Grid’s) auskommt.

  • Anonymous sagt:

    Meinung von Die neue Finanzordnung: Einkommensgebundene Kredite – Lebensstandard-Versicherung – Weitere Instrumente für eine bessere Risikoverteilung
    Einstufung:
    na klar totale kontrolle des Einzelnen via Computer. So was kann nur einem verblödeten Amerikaner einfallen. Alles wird zentral, gespeichert, kontrolliert und überwacht. Das hätten die Herren dann gerne. Das erinnert mich doch sehr an Aldous Huxley’s “Schöne neue Welt”. Sollte seine Vision von der “tollen” Zukunft mit Shiller nun komplette Wirklichkeit werden? Sicher muß sich was ändern und vor allem anderen der faule Finanzsektor. Aber vielleicht nicht unbedingt im Sinne von Shiller. Es gibt zum Glück verträglichere Alternativen und um das zu verstehen muss man nicht Proffessor in Harvard sein. Lest lieber die Bücher von Helmut Creutz “Geldsyndrom” und Bernd Senf “Der Nebel um das Geld”. Dann werdet Ihr froh sein, dass ich Euch diesen Tipp gegeben und Euch vor der totalen Kontrolle der Amis noch mal die Augen geöffnet habe.
    Weiterhin viel Spaß beim Lesen und immer schön kritisch bleiben.

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